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Orte, die sich nach Heimat anfühlen – Dänemark

5. Oktober 2019

Oktober… die Fähre fährt langsam wieder davon und wir machen uns mit ein wenig Wehmut auf den Weg Richtung Süden. Die vier Tage Norwegen haben uns so gut gefallen, dass wir Sorge haben, ob wir jetzt nicht zu sehr das Gefühl haben „das Abenteuer ist doch schon vorbei!“ Denn Dänemark ist einfach viel sanfter und gleichbleibender in seiner Natur.

Doch, dass das Abenteuer noch nicht vorbei ist, sollten wir schon zwei Stunden später merken, als wir kurz davor waren einfach am Straßenrand anzuhalten und dort zu übernachten. Mittlerweile hatte nämlich auch in Dänemark die Nebensaison angefangen und die vielen angezeigten Stell- und Campingplätze waren geschlossen. Es war schon lange dunkel als wir endlich eine Wiese für Camper fanden, die zwar einsam dalag, aber wenigstens mit einer kleinen, heißen Dusche lockte. Erst am nächsten Tag beim Aufwachen sahen wir, dass wir es mal wieder wirklich sehr gut getroffen hatten mit unserer Wahl und sich sogar noch einige andere Wohnmobile zu uns gesellt hatten. Super praktisch und auch sehr entspannt ist, dass man gerade in der Nebensaison solche Stellplätze oft einfach an einem Briefkasten auf Vertrauensbasis zahlt (Geld in den Briefumschlag, liebe Grüße dazu und fertig!)

Die letzten zwei Tage in Dänemark waren dann auch wirklich von viel Entspannung und Müßiggang geprägt… kleine Spaziergänge, faul auf dem Bett liegen und das Hörbuch zu Ende hören, lesen oder einfach nur den Regentropfen beim runter rollen an der Camperscheibe zuschauen und seinen Gedanken nachhängen. Ich glaube, dass jeder von uns diese Orte oder Länder kennt, die einen einfach immer mit einem Gefühl der Heimeligkeit und Ruhe empfangen und umgeben, wie es für mich Dänemark tut. Die vielen Urlaube in Kindertagen hier, haben mich einfach so vertraut mit diesem Land und seiner Landschaft gemacht, dass es ein Stück Heimat für mich geworden ist. Dazu die so gastfreundlichen Einwohner, der Geruch nach Salz und Sand, der in der Luft liegt und die sanften Hügel die uns umgeben. Heißer Tee und Marabou-Schokolade die langsam auf der Zunge schmilzt nach windigen, kalten Spaziergängen am Strand und durch die Dünen… – das ist für mich Dänemark pur.

Wir haben eine alte Bekannte von mir besucht, die Rubjerg Knude, eine Wanderdüne zwischen Lönstrup und Lökken, an der ich vor 15 bis 20 Jahren schon einmal mit meinen Eltern war. Es gibt dort einen kleinen alten Leuchtturm, den man hochsteigen und von dort wunderbar die Steilklippe entlang schauen kann. Bei meinem ersten Besuch, gab es hier noch Nebengebäude, die mittlerweile aber dem Sand vollends zum Opfer gefallen sind und nur noch der Leuchtturm ist übriggeblieben. Wie ich eben gelesen habe soll aber auch dieser nun versetzt werden, da er als nicht mehr sicher genug eingeschätzt wird.

Unsere nun aller letzte Nacht in der Diesellotte verbrachten wir auf RØMØ, der südlichsten Insel an Dänemarks Nordseeküste. Nach einer regnerischen und sehr stürmischen Nacht, in der unser Auto so sehr durchgeschüttelt wurde, dass wir zwischendurch wirklich Sorge hatten, begrüßte uns der Morgen mit einem wolkenlosen, blauen Himmel. Strahlender Sonnenschein zum Abschluss … was könnte denn schöner sein?!

Nun ist es auf RØMØ so, dass man an einem bestimmten Abschnitt auch mit dem Auto an den Strand fahren kann. Eigentlich bin ich ja wirklich kein Fan davon und in vielen Situationen finde ich es wirklich überflüssig, doch mit so einem Camper ist das schon echt praktisch. So konnten wir uns noch ein letztes Mal ein leckeres Frühstück direkt am Strand zu bereiten. Aus den gewollten Pancakes wurde zwar Kaiserschmarrn, aber mit viel Apfelmus hat es uns hervorragend geschmeckt.

Bei so einem grandiosen Abschluss ist es uns verständlicher Weise sehr schwer gefallen, die Sachen zu packen und uns auf den letzten Abschnitt mit der Diesellotte zu machen. Wir lagen mit offenen Türen im Bett, haben noch einmal so viel Seeluft mitgenommen wie nur geht und die wärmende Sonne furchtbar genossen.

Doch gegen 12 Uhr mittags gab es kein aufschieben mehr, denn mit so einem Auto kann man nicht schnell fahren und wir wollten die 500km bis nach Hause in eins durchfahren. Wir packten also alles wieder an seinen Ort, schauten ein letztes Mal wehmütig aufs Meer und rappelten mit unserem kleinen Trecker langsam vom Strand runter. Wir hatten nicht nur viel Gepäck im Auto, sondern auch im Herzen, denn was wir auf dieser Reise erlebt hatten, wird uns lange in Erinnerung bleiben. Nicht nur, weil wir so viele schöne Sachen gesehen haben, sondern vor allem, weil wir wir waren und uns Zeit für uns genommen haben. Julia und ich haben beide auf dem Rückweg festgestellt, das wir selten so tiefenentspannt aus einem Urlaub zurück gekommen sind wie aus diesem. Ich glaube, dass das ganz viel mit dieser Art des Reisens zu tun hat, bei der man bleiben kann wo und wie lange man möchte und bei der man sein kleines Zuhause immer bei sich hat. Die viele Natur erdet einen einfach ungemein und ich bin immer wieder aufs neue davon überzeugt, dass es nichts besseres gibt als die Natur um wieder zu sich zu finden und Stress abzubauen.

Viele Autostunden später rollten wir also dann auf den Hof meiner Eltern, wurden von Familie und Freunden empfangen und fühlten uns ein bisschen so, als würden wir zurückkehren in eine ganz andere Welt.

Ein Jahr ist das alles jetzt genau her und es bleibt mir nur zu sagen: „Danke Julia!“… Dafür, dass du so spontan Ja gesagt hast zu meiner vermeintlichen Schnapsidee, die zu etwas so großartigem geworden ist!

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