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Der Hermann – 31 km über Stock und Stein

29. Juli 2018

Wer meinen Blog im
letzten Jahr verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass ich dem
Laufen voll und ganz verfallen war. Jede Woche habe ich mehrmals
regelmäßig meine Laufschuhe geschnürt und hab mich auf den Weg in
den Wald gemacht. Besonders das sonntägliche Programm, mit meiner
besten Freundin vor dem Frühstück eine kleine 5 Kilometer Runde
Laufen zu gehen, hat mir einfach unheimlich gut getan und wir haben
es nur selten nicht geschafft. Ich hatte mir ja im letzten Jahr schon
eine neue Herausforderung rausgesucht und bin zusammen mit meinem
Mann die 18 Kilometer beim Böckstiegellauf mitgelaufen. Damals hatte
ich mir gesagt: „Wenn du DAS schaffst, dann läufst du im nächsten
Jahr den Hermannslauf mit!“ … Nun ja, ich hatte es geschafft und
so stand ich Anfang des Jahres vor der Entscheidung: Laufen oder
nicht?!

Der Hermannslauf ist
DER Lauf in Ostwestfalen und als Bielefelder Läufer musst du einfach
mindestens einmal dabei gewesen sein! Die Strecke führt durch den
wunderschönen Teutoburger Wald, mit vielen Höhen und Tiefen, vom
Hermannsdenkmal in Detmold bis zur Sparrenburg in Bielefeld. Ich
meine, kann man sich einen cooleren Start- und Zielpunkt
vorstellen?!?
Ich war sehr hin und her gerissen, denn der Lauf ist
nichts für schwache Nerven wurde mir immer wieder gesagt und von 18
Kilometern (meine bis dahin längste Strecke am Stück) ist halt doch
noch deutlich weniger als 31 Kilometer. Viele Besprechungen mit
meinem Mann und einer lieben Arbeitskollegin, die auch Interesse
hatte folgten und wir entschieden uns dann letztendlich dafür uns
anzumelden. Man muss hierbei schnell sein, denn die vielen tausend
Plätze sind innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. So saßen wir
also Mitte Januar alle um Mitternacht vor unseren Laptops und haben
uns direkt mit freischalten des Online-Formulars angemeldet. Danach
war mir erst mal kurz schlecht!!
Uns bilden danach
noch 3,5 Monate zum trainieren. Leider war uns das Schicksal nicht
gut gestimmt und so hatten wir ein bisschen Pech, was die
Gegebenheiten angingen. Kurz nach der Anmeldung fegte Sturmtief
Frederike durch Bielefeld und Umgebung und hat verdammt viel
Zerstörung in den umliegenden Wäldern angerichtet. Resultat: Die
Wälder waren bis Ende Februar/ Mitte März gesperrt und wir mussten
uns alternative Routen suchen. Da ich direkt am Wald wohne war dies
gar nicht so einfach und dazu kommt noch, dass ich echt kein Freund
vom Laufen in der Stadt bin und die Motivation darunter ganz schön
gelitten hat. Nachdem der erste Frust weg war und ich mich mit den
Gegebenheiten abgefunden hatte, habe ich doch ganz schöne Wege durch
unsere Stadt gefunden, da dann wenigsten schon die Parks wieder frei
gegeben waren. Es folgten 2-3 Wochen super kaltes Wetter mit auch
tagsüber Minusgraden. Aber überraschenderweise haben diese
Temperaturen mir gar nichts ausgemacht. Ich bin eine richtige
Winterläufern geworden und hatte tatsächlich den besten Lauf bei -2
Grad und Schneeschauer (18 km/ 1:45h) und ich habe in dieser Zeit
nichts besser gefunden als so richtig durchgefroren nach Hause zu
kommen und dann in die heiße Badewanne zu steigen. Tatsächlich habe
ich mich nie nach diesen Läufen erkältet, man darf halt nur nie
ganz kalt werden und schnell genug unter die heiße Dusche kommen.
Mitte März hat es mich dann aber doch erwischt und ich habe mir eine
Erkältung eingefangen. Bei meinem Job im Kindergarten wäre es auch
wirklich ein Wunder, da ganz ohne Schnupfen durch den Winter zu
kommen. Nichts Großes, aber ich musste doch einige Tage aussetzten
und dann ist es für mich tatsächlich immer ein bisschen wie von
vorne anfangen. Anfang April bin ich dann einmal einen 21 Kilometer
lauf im Wald unter ähnlichen Profilbedingungen wie beim Hermann
gelaufen und das war‘s. Danach gab es nur noch kleine Runden von
bis zu 12 Kilometern um Ende April auf keinen Fall ausgebrannt zu
sein.
Und dann kam das
letzte Wochenende im April. Samstag haben wir drei unsere
Startnummern im Gymnasium abgeholt und man konnte das kribbeln schon
richtig spüren. Alle waren aufgeregt und summten hin und her. Wir
verabredeten uns mit meiner Kollegin für den nächsten Morgen und
waren voller Vorfreude… oder doch eher Sorge!?!
Sonntag ging es dann
früh los. Erst mit dem Fahrrad in die Stadt und von da
aus fuhren wir zu dritt mit einem der vielen Shuttlebusse nach Detmold. Die eine
Stunde Fahrt überstanden wir mit gemischten Gefühlen. Ich hatte
zuvor vor Aufregung nicht viel essen können und trotzdem fühlte
sich das bisschen Porridge in meinem Magen an wie ein Stein. Oben am Denkmal angekommen hatten wir schnell gefunden von wo wir starten
müssen und dann konnten wir nur noch warten, dass es endlich los
geht. 
Die Stimmung war
super, wir standen natürlich im hinteren Drittel, wo alle standen
die nur aus Spaß an diesem Lauf teilnahmen. Dann kam der Startschuss
und auf einmal war meine Aufregung wie weggeblasen. Frei nach dem
Motto: „Irgendwie kommen wir schon ins Ziel und wenn wir den Rest
gehen ist auch nicht schlimm“ haben wir die Startlinie
überschritten und ab da gab es kein zurück mehr. Der erste
Kilometer vielleicht auch die ersten zwei Kilometer verläuft die
Strecke eigentlich nur bergab. Es war SO voll, dass wir leider die
meiste Zeit gehen mussten. Von einer anfänglich breiten zweispurigen
Straße ging es nämlich nach dem ersten Kilometer auf einen doch
deutlich schmaleren Schotterweg und da war das einfädeln anscheinend
gar nicht so leicht. So dauerte es auch nicht lange und der erste
Krankenwagen fuhr an uns vorbei. Es erinnerte uns wieder daran, wie
vorsichtig wir sein müssen, denn der Weg ist oft holprig und
Unachtsamkeiten können dir schnell das Genick brechen. Das Tempo war
also sehr niedrig und es ging mir ein bisschen auf die Nerven, dass
ich mich nicht freilaufen konnte. Ich kam schlecht in ein
gleichmäßiges Tempo rein, denn es war einfach so wuselig. Der erste
steile Anstieg kam so bei Kilometer 7 und ich war hochmotiviert.
Leider wurde ich auch hier stark ausgebremst, denn die anderen Läufer
sind gerne in vierer Reigen den Berg hochgegangen und man hatte
einfach keine Chance daran vorbei zu kommen. Meine Kollegin hatten
wir im Gedränge leider schon verloren und so haben mein Mann und ich
beschlossen, dass es das wichtigste ist, dass wir zusammen bleiben
und heile im Ziel ankommen. Bis Kilometer 14 lief es wirklich sehr
gut und ich fing an eine große Klappe zu haben. „Ich weiß gar
nicht was alle haben, is doch ganz easy!“ Habe ich zu Max gesagt
und wurde kurz danach eines besseren belehrt. Der Anstieg bei
Kilometer 15 ungefähr war echt zu hart für mich und ich ging ihn
freiwillig. Die Stimmung war einfach toll… der Weg war gesäumt von
vielen Leuten die uns immer wieder angefeuert haben und das hat mir
vor allem im letzten Drittel des Laufes super geholfen. Denn ab
Kilometer 21 war bei mir dann doch die Luft etwas raus. Ab da war die
Psyche ein bisschen mein Feind und ich hab mich einfach nur gefragt
was ich hier überhaupt mache. Im letzten Drittel sind einige
Treppenanstiege zu bewältigen und die haben mich aus meinem
gefundenen Trott raus gebracht. Als dann ab Kilometer 25 auch noch
mein linkes Knie anfing richtig Probleme zu machen, war die
Motivation bei Null angekommen. Ich musste immer wieder gehen und
gerade bergab hatte ich starke Schmerzen. Ich war kurz davor
aufzugeben und zu sagen „Macht was ihr wollt, ich gehe den Rest, is
mir alles egal!“. Drei Kilometer vor dem Ziel saßen dann aber
meine beste Freundin und ihr Freund und haben uns zugejubelt. Wir
haben uns kurz ein bisschen Mut und Zuversicht abgeholt und dann hieß
es richtig die Zähne zusammen zu beißen. Es ging nicht mehr viel
und viel mehr als 500m am Stück laufen war bei mir echt nicht mehr
drin. Die beiden sind mit dem Rad neben uns her gefahren und haben
mich quasi ins Ziel rein gepeitscht, wer weiß wann ich sonst
angekommen wäre 😀
Ich war so
überglücklich als ich endlich die Promenade und die Burg sehen
konnte und bin mit letzter Kraft durchs Ziel gelaufen… Aber mit
Maxi und mit einem Lächeln! Und genau in dem Moment war alles egal
und ich hab gedacht! „Gar kein Problem, nächstes Jahr gleich
nochmal!“… 
Wir haben uns unsere
Medaillen abgeholt, meine Familie gefunden, etwas getrunken und
gegessen und dann fing das schlimmste des Tages an: Ich musste zu
meinem Fahrrad kommen und es trennten mich 1,5 Kilometer steile,
bergab gehende Kopfsteinpflaster-Straße von meinem Rad. Ihr könnt
euch nicht vorstellen, wie ich diese Straße runter geeiert bin 😀
Ich musste gestützt werden, weil mein Knie einfach so weh tat und
einfach seinen Dienst verweigert hat.
Ich kann euch aber
sagen, dass das Knie schon am nächsten Tag nicht mehr weh tat und
der Muskelkater auch nach 5 Tagen langsam nachließ…
Und heute?! … Ich
habe meinem Körper ein bisschen Pause danach gegönnt und sogar noch
ein bisschen länger vom Laufen. Nach drei Wochen bin ich dann das
erste Mal wieder Laufen gegangen und leider hat sich dabei raus
kristallisiert, dass mein Knie doch noch nicht so fit ist. Nach ca. 3
Kilometern fängt es immer stark an zu schmerzen und spätestens nach
4 Kilometern muss ich das Ganze leider aufgeben. Ich bin seit dem 4-5
Mal Laufen gewesen und immer nach ca. 4 Kilometern geht nichts mehr.
Nun habe ich seit 6 Wochen absolute Laufpause und seid 3 Wochen
Sportpause und ich hoffe, dass ich nach dem Urlaub wieder anfangen
kann. Ich werde es langsam angehen lassen und erst mal nur drei
Kilometer oder so gehen, aber ich vermisse es schon sehr. Drückt mir
also die Daumen, damit ich nicht doch zum Arzt muss.

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