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Die Sache mit dem Schweinehund …

3. Oktober 2017

Wer kennt ihn nicht, den ewigen Kampf mit dem inneren
Schweinehund?! Meiner ist manchmal groß wie ein Bernhardiner habe ich das
Gefühl. Soll ich heute wirklich ins Fitnessstudio fahren nach der Arbeit?
Morgens ist man noch hochmotiviert, packt seine Sporttasche, dann kommt der
Arbeitsalltag und man fühlt sich müde und schlapp nach den 8 Stunden. Nun wäre
eine kleine Runde auf dem Laufband genau das Richtige und ich würde mich danach
wieder besser fühlen, ich weiß es ja ganz genau, aber trotzdem passiert es immer
wieder, dass ich anstatt zum Fitnessstudio 
direkt nach Hause fahre.

Es gibt da aber noch den Gegenspieler vom Schweinehund und
dass ist die innere Kampfsau, die wie viele meiner Freunde sagen bei mir auch
recht ausgeprägt ist. Denn wenn ich etwas hasse ist es verlieren oder in meinen
Augen „versagen“. 
Und so kam es in den letzten Wochen zu einem doch recht
erbitterten Kampf zwischen den beiden in meinem Kopf. Ich hatte mich nämlich
für den 18 km Lauf beim Böckstiegellauf von Bielefeld nach Werther zusammen mit
meinem Freund angemeldet. Hoch motiviert habe ich angefangen zu trainieren,
dreimal die Woche laufen, einmal mindestens zehn Kilometer und dann noch zwei
kleine Läufe. Circa 5 Wochen vorher kam dann der Knick, das Wetter war nicht
gerade einladend mit seinem Dauerregen und ich schob mein Training immer weiter
vor mir her. Immerhin hatte ich ja noch genug Zeit  bis zu dem Lauf, habe ich gedacht. Wie könnte
es anders sein, habe ich drei Wochen Vorher eine schöne Magen-Darm-Grippe
bekommen, die mich fast eine Woche außer Gefecht gesetzt hat und mit fließendem
Übergang ging ich in eine fette Erkältung mit allen Schikanen. 
Und ehe ich mich versah, saß ich am
Wochenende vor dem Lauf hustend auf dem Sofa und war seit 3 Wochen nicht mehr
laufen gewesen.  „Ich glaub ich kann das
nächsten Samstag nicht!“ ging mir die ganze Zeit im Kopf umher und ich habe
mich gefragt, wie ich das in 5 Tagen schaffen soll. „Aufgeben ist keine Option,
absagen erst recht nicht!“, hat mir mein Freund erklärt und mich kurzzeitig
schockiert. 
Naja, aber er hatte recht… Würde ich den Lauf nicht
mitmachen, wäre ich von mir selber so enttäuscht und genervt, dass ich lange
daran zu knapsen hätte. Also tat ich alles um irgendwie wieder fit zu werden
bis zum Samstag. Jeden Tag 3 heiße Zitronen mit Honig, abends gab es immer ein
Erkältungsbad, viel Tee und viel Schlaf. Und wie man so schön sagt, wo ein
Wille, da ein Weg. Freitags fühlt ich mich wieder hergestellt, daher wagte ich
mich an einen kleinen, lockeren 6km- Lauf um zu schauen, ob die Atemwege
wirklich wieder frei genug sind. Es lief ganz gut und wir fuhren los um unsere
Startunterlagen abzuholen. 
Samstagmorgen war die Aufregung dann bei uns beiden doch
sehr zu spüren, denn auch für meinen Freund war es eine Premiere, denn wir sind
beide  noch nie die 18 Kilometer vorher
gelaufen. Wir hangelten uns irgendwie durch den Vormittag und um kurz vor zwei
brachte uns meine Mutter dann zum Start. Ich bin beim Böckstiegellauf in den
letzten drei Jahren immer die 10 Kilometer Runde mitgelaufen, daher kannten wir
ja schon einen Großteil der Strecke, jedoch blieben einige Überraschungen für
uns übrig. Es hatte den ganzen Morgen durch geregnet, mal etwas leichter, mal
etwas stärker, doch um Punkt  14 Uhr,
passend zum Start, öffneten sich alle Tore und es schüttete wie aus Eimern. 
10, 9, 8, … „wir lassen es erst mal ganz langsam angehen!“
7, 6, 5, 4, … „Hauptsache ankommen, am besten heile!“ 3, 2, 1, *peng* Mit dem
Startschuss setzten sich über 600 Läufer in Bewegung und machten sich auf den Weg
um bei katastrophalen Bedingungen die sehr anspruchsvolle und matschige Stecke
hinter sich zu bringen. Die ersten 500m kam man kaum ins Laufen, denn wenn 600
Läufer sich auf einem 3m breiten Waldweg quetschen, braucht es doch etwas bis
sich das ganze entzerrt. Wir wichen Pützen aus, überholten einige Läufer und
versuchten ein angenehmes, lockeres Starttempo zu finden. Dazu schüttete es
weiter und wir waren nach dem ersten Kilometer schon nass bis auf die Knochen.
Die ersten kleinen Steigungen haben wir gut gemeistert und wir hatten uns etwas
frei gelaufen und hatten Platz um uns herum. „Lauf dein Tempo, wir sehen uns im
Ziel!“, habe ich zu meinem Freund gesagt, doch wir blieben noch bis zum Ende des
3 Kilometer zusammen. Dann gab es mal wieder eine sehr schlammige Stelle, an
der es Maxi leider kurz hinpackte. Er hatte sich nicht weh getan, war nun aber
sauer und in der passenden Kämpferlaune… und zack, weg war er. Nun war ich auf
mich alleine gestellt, die erste fünf Kilometer liefen verdammt gut und locker,
ab Kilometer vier war die Strecke für mich neu und ich freute mich über den
Verlauf, denn es ging leicht berg ab und verlief schön in Serpentinen durch den
Teutoburger Wald. Ich hätte mir vorher denken können, dass wir alles, was wir
runter laufen ja auch wieder hoch müssen, aber mit der Steigung bei Kilometer
sieben habe ich beim besten Willen nicht gerechnet. Das was wir über mehrere
Kilometer nach unten gelaufen sind, mussten wir jetzt komprimiert auf 500m wieder
hoch, da könnt ihr euch vorstellen, wie Steil dieser Berg sich vor mir auftat. Ich
hab ihn zwar geschafft, aber mein Brechzentrum war doch sehr beansprucht und
als ich oben ankam und sah, dass es einfach noch weiter nach oben ging, hat mein
Körper kurzzeitig gestreikt. Ich musste einfach 200m gehen, weil mein Herz sich
in meiner Brust überschlagen hat. Anhalten ist für mich das Schlimmste, denn es
ist verdammt schwer dann wieder los zu laufen. Aber ich habe es geschafft, was
für mich fast noch ein größerer Sieg war, als durchzulaufen. Bei Kilometer neun
habe ich mich so gefreut, dass ich unaufmerksam wurde und mich auch fast lang
gemacht habe. Ab da fing ich spätestens an, den Pfützen nicht mehr
auszuweichen, sondern immer mitten durchzulaufen, da der Rand einfach zu glitschig
war. Bis zu den Waden steckte ich im Schlamm, durch den Nebel konnte man keine
100m weit gucken und die Geräusche um dich herum wurden verschluckt, bis auf
das Schmatzen meiner eigenen Schuhe im Schlamm. Klingt mystisch und
dramatisch?! So hab ich mich auch gefühlt 😀 
Die letzten sieben Kilometer gingen dann mehr oder weniger
über Asphalt, durch Felder und Wiesen, über Höfe und durch Siedlungen bis wir
schließlich in Werther einliefen. Die letzten 2 Kilometer zogen sich sehr, ich
bin überhaupt keine Asphalt-Läuferin und meine Oberschenkel haben sich angefühlt
wie aus Stein. Die letzte kleine Steigung, dann noch 150m auf der Zielgeraden,
wie immer musste ich vor lauter Erleichterung und Freude mit den Tränen kämpfen
und am Ende standen auch noch Maxi und meine Eltern und haben mir zugejubelt.
Ich habe es geschafft!! Die Kapfsau in mir hat tatsächlich den Schweinehund
besiegt und ich habe es geschafft. Meine Beine zitterten, mein Herz raste, aber
ich hatte es geschafft und dieses Gefühl war jede Quälerei wert, denn ich hab
es für  mich getan und war unglaublich
stolz auf mich. 
Jeder hat seine eigenen kleinen und großen Ziele und man
fühlt sich so gut wenn man sie erreicht. Glaubt an euch und gebt nicht zu
schnell auf, auch wenn der innere Schweinehund es manchmal schwer macht. Heute
ist der Muskelkater auch schon wieder fast weg und bekanntlich ist nach dem
Lauf auch vor dem Lauf… was wohl als nächstes kommt? Was sind eure sportlichen
Ziele im Moment?

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